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Die Jahnsche Turmvilla

Die Jahnsche Turmvilla

























Im alten Dorfkern von Glindow befinden sich neben Wohnhäusern eine Dorfkirche, das Heimathäuschen, Arztpraxen, eine Jogaschule und prägend für den Kietz eine historische Turmvilla an der Ecke Jahnufer/Luise-Jahn-Straße


Die am 9. Juli 1916 verstorbene Berlinerin Luise Jahn verfügte als letzten Willen eine Stiftung, aus deren Vermögen am Ufer des Glindower Sees ein Krankenhaus für die Ziegeleiarbeiter und ihre Familien errichtet wurde. Ab 1961 war das Areal der Jahnschen Stiftung dann Heimstatt der Förderschule für behinderte Kinder. Als der Landkreis diese Bildungseinrichtung im Jahr 2002 nach Werder verlegte, mussten neue Nutzer gesucht werden. Teilweise war das schon gelungen. Manfred Thiel, Landarzt und im Vorstand der Jahnschen Stiftung, engagierte sich für das Gebäude, bis er 2008 nach 44 Jahren als Landarzt in Werder und Glindow in den Ruhestand ging. Er wünschte sich, dass in den noch leerstehenden Gebäuden eine Seniorenwohnanlage entsteht. Das wäre auch im Sinne von Luise Jahn, ist er sich sicher, doch alle Bemühungen waren vergeblich.


Historische Turmvilla muss weichen

16.03.2018 MAZ Luise Fröhlich


Die Jahnsche Turmvilla am Glindower See soll abgerissen werden. An der geschichtsträchtigen Stelle wollen Investoren auf vier Geschossen knapp 30 Wohnungen errichten. Den benachbarten Kietz-Bewohnern und dem Ortsbeirat schmecken die Pläne nicht. Sie fühlen sich übergangen.

Die Tage der Jahnschen Villa am Glindower See scheinen gezählt. Seit einer Woche steht ein grüner Container vor dem Haus, vorbereitende Arbeiten für den Abriss haben begonnen. Damit tritt das ein, was die Keutz-Bewohner und der Ortsbeirat befürchtet haben.
Die Stahnsdorfer Firma „HS Immobilien & Handels GmbH" hatte das Erbbaurecht vor ein paar Jahren von der Jahnschen Stiftung erworben und das Turmhaus saniert. Jetzt will sie es abreißen und Wohnungen mit Blick auf den See bauen. „Die Villa ist ein markanter und prägender Teil unseres Ortes. Wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass sie erhalten bleibt", sagt Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (Freie Bürger). Abgesehen von dem Abriss beunruhigt ihn aber auch, was die Firma mit dem Grundstück vorhat. Versuche herauszufinden, wie viele Geschosse und Wohnungen entstehen sollen, seien gescheitert. Einer Einladung des Glindower Ortsbeirates vor einem Jahr seien die Investoren nicht nachgekommen. Das Unternehmen selbst war für eine Stellungnahme zum geplanten Bau gestern nicht zu erreichen.


Villa ist nicht denkmalgeschützt


In dem Gebäude war bis zum Jahr 2002 eine Schule für Körperbehinderte untergebracht. Fast 30 Mädchen und Jungen wurden am Glindower See betreut. Nach dem letzten Willen der Stifterin Luise Jahn (1842-1916) befand sich dort bis in die 1960er-Jahre ein Krankenhaus mit Entbindungsstation, Operationssaal und Röntgenraum für die Ziegeleiarbeiter und ihre Familien. Nach Informationen der Stadt Werder und des Landkreises soll an dieser Stelle nun ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt vier Etagen entstehen. Darin kommen 29 barrierefreie Wohnungen unter. Seitens der Stadt sei gemeinsam mit der Denkmalbehörde geprüft worden, ob der Abriss verweigert werden kann, wie Werders 1. Beigeordneter Christian Große (CDU) auf Anfrage bestätigte. Die Prüfung ergab, dass die Villa nicht unter Denkmalschutz steht. Im Kietz, für den es seit 2005 einen Bebauungsplan gibt, gilt dieser Status nur für die Kirche, ein Schmiedegehöft und ein Bündnerhaus. Der Bauantrag, den die Investoren beim Landkreis eingereicht haben, entspreche laut Stadtverwaltung den Festsetzungen des B-Planes. Eine Baugenehmigung liegt der Firma vor und auch der Abriss der Villa ist ordnungsgemäß angezeigt worden. Ausgewiesen ist das Areal im B-Plan als sogenanntes „Mischgebiet". Das heißt, dass dort Wohnungen und Gewerbe erlaubt sind. Wohnhäuser können als Einzel- und Doppelhäuser sowie in Hausgruppen errichtet werden. Auch wie die Fassade aussehen soll, regelt der Plan. Demnach können die Häuser in hellem Putz, als Fachwerk oder mit Sichtmauerwerk aus gelben, roten oder ockerfarbenen Ziegeln gestaltet werden. Ausnahmen gelten für Geschäftsbereiche.


Der Stadt sind die Hände gebunden

Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (Freie Bürger) sprach den drohenden Abriss der Jahnschen Villa bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Werder an. Er fragte, ob die Verwaltung die Investoren zu einer Bauausschusssitzung einladen könnte. „Die Öffentlichkeit soll von den konkreten Plänen erfahren", so der Ortsvorsteher. Christian Große betonte, dass die Stadt nicht mit dem Abriss einverstanden war, allerdings keinen Handlungsspielraum hatte. Außerdem könne sie die Veröffentlichung der Pläne von den Investoren nicht einfordern.  

Die aktuellen Fotos vom 03. August 2018 zeigen, dass der Abriss vollzogen wurde und die Jahnsche Villa Geschichte ist.  



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