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Werders letztes Obstzüchtergehöft - das Lindowsche Anwesen

Werders letztes Obstzüchtergehöft - das Lindowsche Anwesen
Viele Häuser haben auch in Werder (Havel) neben der Postanschrift einen Eigennamen. Oft sind sie, wie das Lindowsche Haus Am Plantagenplatz 9 nach der langjährigen Besitzerfamilie benannt.

Das Gehöft war schon 1839 vorhanden und liegt vom Platz zurückgesetzt am Hang des Galgenbergs.

Das Anwesen gehört zu den ältesten im Festlandbereich der Stadt. Es ist ein mitsamt der verschiedenen Nebenge-
bäude und dem rückwärtigen Gartenland in seltener Vollständigkeit bewahrtes Beispiel für die Obstzüchter-
gehöfte, wie sie für die Vorstadtbereiche von Werder im 19. und frühen 20. Jahrhundert charakteristisch waren.




Das niedrige eingeschossig Wohnhaus vertritt als eines der letzten erhaltenen Beispiele den älteren Typus des Obtzüchterhauses, während die meisten seit dem späten 19. Jahrhundert als stattlichere Bauten mit aufwendigen Stuckfassaden neu errichtet wurden.    

Das Anwesen wurde 1879 erbaut. Familie Lindow gehörte zu den ersten Obstbauern in Werder, die am Hang des Galgenbergs Obstplantagen anlegten.
Zum Anwesen gehört das eingeschossige Mittelflurhaus mit dem biberschwanzgedeckten Fledermausgaubendach und Nebengebäude die um einen Wirtschaftshof gruppiert sind, sowie der Garten, der bis zur Terrasse der Bismarckhöhe reicht. Es wirkt in seiner geduckten Haltung auf den ersten Blick recht zierlich, bietet aber auf insgesamt 500 Quadratmetern reichlich Raum zum Gestalten, so hat das Vorderhaus auch einen Gewölbekeller.

Eigentümer von 1902 bis 1937 war der Obstzüchter Friedrich Lindow. Lindow wurde am 03. Juni 1936 auf der Generalversammlng der Werderschen Obstzüchtergenossenschaft zum Direktor gewählt. Am 10. Juli 1936 nahm er an einer Besprechung der Hauptvereinigung der Garten- und Weinbauwirtschaftsverbände teil. Fazit: Die Besprechung habe einer wesentlichen Aufklärung gedient und zu einer weitgehenden Verständigung geführt.

Ein Jahr darauf, am 05. Juli 1937 starb Fritz Lindow. Der Generalanzeiger schrieb dazu:

„Fritz Lindow verstorben. Aus einem schaffensreichen Leben wurde gestern Nachmittag Fritz Lindow im besten Mannesalter stehend, plötzlich durch den Tod abberufen. Beim Heuladen brach der Ladebaum, Lindow stürzte rücklings vom hochbeladenen Wagen, ein Genickbruch hatte den sofortigen Tod zur Folge. Ein tragischer Unfall bendete das Leben eins Mannes, der in seinem Berufskreise Bedeutung genoss und der durch sein rechtschaffendes Wesen allgemein belibt war.
Mehrere Jahre war er Stadtverordneter und Ratsherr. Von Beruf war er Obstzüchter. Zur Zeit war er Direktor der Werderschen Obstzüchter-Genosenschaft."

Im Jahr 2009 hat die Stadt Werder (Havel) das Haus von den Alteigentümern erworben und wollte es ursprünglich an einen privaten Investor weiterverkaufen. Ferienwohnungen, ein Restaurant sowie eine Vinothek waren geplant, doch das Vorhaben scheiterte, zu groß waren die Abweichungen vom ursprünglichen Nutzungskonzept.
 
Die Stadtverwaltung will nun selbst ein Konzept für das Touristenzentrum erstellen, das dann den Stadtverordneten vorgestellt werden soll. Wenn eine genaue Planung steht könnten Fördermittel beantragt werden. Die Kosten für den Umbau des Hauses belaufen sich auf mindestens eine Million Euro. Da es im Sanierungsgebiet liegt, könnten aber 80 Prozent davon gefördert werden. Eine Fertigstellung sei frühestens Ende 2017 realistisch, könne sich aber auch bis 2018 hinziehen. Schließlich müssten noch eventuelle Einwände unter anderem der Denkmalschutzbehörde abgewartet werden.

Geplant sind eine Tourismusinformation und ein Laden für regionale Produkte mitten im Zentrum. In einem späteren Schritt könnte auch das Obstbaumuseum umziehen. Das bestätigte der 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) den PNN. „Das Haus soll ein Besucherzentrum werden, das den heutigen Ansprüchen von Touristen gerecht wird", so Große. Da beispielsweise der Anteil der Radtouristen steigt, sollen abschließbare Fahrradboxen vor dem Haus aufgestellt werden. Im Inneren soll es Schließfächer für Reisende geben. „Dadurch können Besucher ihr Gepäck hierlassen und zu Fuß die Innenstadt erkunden." Bis zur Werderaner Insel sind es vom Lindowschen Haus etwa 500 Meter Fußweg.

Quelle: Auszugsweise, PNN, Besucherzentrum im Obstbauern-Gehöft , 21.11.2015,  Enrico Bellin
Archiv Werder (Havel)


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