Regionales

Der Werderaner Landschaftsmaler Karl Hagemeister

Karl Hagemeister, Sohn eines Obstzüchters und dessen Ehefrau Luise Friederike Puhlmann erblickte am 12. März 1848 das Licht der Welt. Ein bescheidenes Schild verweist noch heute auf sein Geburtshaus in der Kirchstraße.

Schon von frühster Jugend an war er empfänglich für die herbe Schönheit der märkischen Landschaft, so war sein Leben geprägt vom intensiven Verhältnis zur Natur. Er war ein begabter Junge und bewies auf der Werderschen Volksschule Geschick in Zeichnen und Naturkunde. In seiner Freizeit bastelte und zeichnete er viel, baute Schiffchen und modellierte in Ziegelton, so dass manche meinten, er müsse Bildhauer werden. Die Eltern schätzten sein künstlerisches Interesse nicht hoch genug oder hielten die Künstlerlaufbahn für bedenklich. Hagemeister selbst wäre gern Förster geworden, immerhin erhielt er die Erlaubnis Schulmeister zu werden. Zweieinhalb Jahre arbeitete er als Volksschullehrer, seine Mußestunden verbrachte er zeichnend und malend.

Oft ist es der Zufall der Menschen zusammenbringt und ihren weiteren Werdegang bestimmt.  Der Landschaftsmaler Bellermann, Mitglied der Akademie, ermunterte ihn, den Malberuf zu ergreifen.

1872 war er auf Rügen, 1873 reiste er nach München. Als er dort bei Regenwetter unter einem Schirm malte, sprach ihn ein „feiner Herr" an, es war Carl Schuch. Zwischen den beiden Malern entwickelte sich eine Lebenslange Freundschaft. Hagemeister lernt viel von Schuch, hat ihn jedoch keineswegs nachgeahmt und später einen ganz anderen Weg eingeschlagen.  

1881 verbringen Schuch und Hagemeister gemeinsame Zeit in Werder. Hagemeister besorgte allein den Haushalt und die Verpflegung, dies vornehmlich als Jäger und Fischer.  Im sacht schaukelnden Kahn konnte der Freund aus der Großstadt nicht malen wie der Werderaner; da baute dieser ihm „mit großer Mühe" nahe dem Ufer im flachen Wasser ein Brettergerüst, aber auch darauf fühlte sich Schuch nicht geheuer und blieb auf der terra ferma.

Herzlich gern hätte ich es gesehen“, so erzählte Hagemeister, „Wenn Schuch einen starken Schaufler erlegt hätte, den ich gesehen hatte. Umsonst. Wenn wir ihn nicht verlieren wollten, blieb mir nichts andres übrig, als ihn selbst zu strecken. Spät, als er schon schlief, kam ich nach Haus.

"Was gibt`s", rief er mir im Halbschlaf zu.

Lakonisch meine Antwort: "Morgen, Leber in saurer Sahne mit Tiroler Knödeln."

"Hast du ihn?"

"Ja!" Es war ein starker Schaufler von ungefähr 180 Pfund.


Karl Hagemeister über sich selbst:

Ich wollte nie Obstzüchter werden, sondern Lehrer oder Maler. Mein erster Lehrer war Preller in Weimar. Er wies mich nur auf die Natur, was ich streng befolgte. 1873 ging ich auf Studienreise an den Hintersee in Bayern, wo ich mit dem Stillleben Maler Schuch aus Wien befreundet wurde. Ich studierte das Hochgebirge, die Seen und Wildbäche. Dann ging ich zurück nach Werder und malte die Havel, unsere Wiesen und Wälder. Die Stimmungen zogen mich am meisten an, die immerfort modifiziert wurden durch den Dunst der Havel, die hier breit, seeartig ist. 1878, 1880 und 1881 kam Schuch zu mir nach Ferch, eine Stunde von Werder am Schwielowsee. Hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet.

1883 war ich mit Schuch in Paris und ging dann wieder nach Ferch, wo ich bis 1912 in stiller Einsamkeit verblieb. Ich erkannte, dass nicht die Tonigkeit die Hauptsache für Bilder sei, sondern das Licht, das ewig wechselt. Da ich Jäger war wie Courbet, malte ich viel Wild, immer naturgroß, so, wie ich es nach dem Schuss gefunden habe. Im Winter war ich auch immer draußen und malte im Schnee und von 1907 bis 1915 jeden Sommer in Lohme auf der Insel Rügen das Meer.

War Schuch kurzsichtig, so wurde Hagemeister mit den Jahren weitsichtig, und deshalb wandte er sich allmählich von der Jugend ab, beschränkte sich auf die Fischerei.

Vom Ufer oder vom Kahn aus nahm er Havel und Havelseen auf, nicht als weite Blicke, sondern nahe gesehen als Vordergrund, auch Altwasser mit den Seerosen, Fließ, Moor, Luch, das schwankende Schilf, vom Wind bewegt, Weisen am Ufer, im Wasser sich spiegelnd. Die Tierwelt in so unberührten Gebieten der Havellandschaft dem Touristen verborgen, war ihm vertraut; zuweilen sieht man auf seinen Bildern eine Wildente aus dem Dickicht emporfliegen, oder einen Reiher; Libellen sausen umher. Er stellte seine Staffelei auch in den Wald, ins hohe Gras, in den Schnee, und jedes Bild ist ein Novum, dessen gleichen es sonst in der Landschaftsmalerei nicht gibt.

Hagemeisters Vorrat: in seinem Werderschen Vaterhaus nämlich, wo er die letzten Jahrzehnte wohnte, waren die Gemälde zu erstaunlichen Massen gestapelt, in den niedrigen Zimmern, auf Gängen und hauptsächlich im Keller. Er lebte äußerst schlicht, brauchte sehr wenig zum Unterhalt, verkaufte mit zunehmenden Jahren höchst ungern, gab seine Bilder nur an Menschen, bei denen er Verständnis für sie fühlte, behielt sie lieber für sich, so dass er sie immer sehen konnte.

Hagemeister legte keinen Wert darauf, auszustellen oder gar die Trommel zu rühren oder rühren zu lassen. So kam es, dass die regsame deutsche Kunstwelt von der Existenz dieses Meisters und seinem umfangreichen Werken nichts wusste.

Als 1912 einige größere Galerien in Hamburg und München auf ihn aufmerksam wurden, ging ein Geraune ging durch die Kunstwelt und Hagemeister fand öffentliche Ehrung und Aufmerksamkeit.1914 wurde er zum „Königlich-preußischen Professor" ernannt und 1923 zu seinem 75. Geburtstag Mitglied der preußischen Akademie der Künste. Die Nationalgalerie ehrte ihn mit einer Ausstellung.

 „Es war nicht leicht, das niedrige Haus in einer der alten Gassen Werders überhaupt zu finden. Der alte saß in dem einzigen Wohnraum seines Hauses auf dem Kanapee, bäuerlich angezogen, ein Tuch um den Hals; nebenan war die kleine Schlafkammer. Es gab Kaffee und Kuchen, ein einfaches Gespräch. Kam es aber auf die Malerei, dann merkte man, dass dieser Werdersche ein geborener Künstler war und, goethisch gesprochen ein „denkender Künstler". Die Beziehung der Kunst zur Natur beschäftigte seine Gedanken am meisten."   

 

Dr. Ludwig Justi, Direktor der Nationalgalerie Berlin

 

Karl Hagemeisters einfacher Lebensstil änderte sich trotz später Anerkennung nicht mehr. Am 05. August 1933 starb er in Werder.

 


Anmerkung:

Der Kunstwissenschaftler Nationalpreisträger Prof. Dr. Ludwig Justi (1876-1957) war von 1946 bis zu seinem Tode Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin. Bereits als Direktor der Nationalgalerie von 1909 bis zu seiner Entlassung durch das faschistische Regime 1933 machte er sich verdient um die Pflege der Werke von Karl Hagemeister.

Auszug aus seinem Beitrag aus dem Heimatkalender „Potsdamer Land" 1960 S. 95 - 101

Werke von Karl Hagemeister befinden sich heute u.a. in der Nationalgalerie Berlin, im Bröhan-Museum Berlin, im Frey-Haus Brandenburg, in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover, der Neuen Staatsgalerie München, dem Wallraf-Richartz - Museum Köln, den Kunstsammlungen Weimar.



Seitenanfang
Zur Verbesserung unserer Webseite nutzen wir Cookies. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen in der DatenschutzerklärungOK