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Fischerkirche in Ferch

Fischerkirche in Ferch

Kirchen waren schon seit jeher Dreh- und Angelpunkt eines Dorfes.  Meist befand sich in ihrer Nachbarschaft ein Wirtshaus, dicht im Ortskern gelegen.

Kirchen haben auch für den heutigen Besucher etwas Besonderes. Es ist der Hauch längst vergangener Zeiten, der uns innehalten  lässt. Im reich geschmückten Innenraum stehen Holzbänke, auf denen schon vor hunderten von Jahren Menschen gesessen haben.

Die Fischerkirche in Ferch wurde vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg als Predigerkirche erbaut.


In unmittelbarer Nähe des Schwielowsees gelegen, erhielt sie ihren Namen durch die besondere Ausstattung. Der Längsraum der Kirche, das Kirchenschiff, ist als Tonne gewölbt und hat die Form eines auf dem Kopf liegenden Kahns. An der Westseite der Decke befindet sich ein Auflagebalken, der als Steuerruder des Kahns gedeutet werden kann.

Das Motiv der Deckenbemalung sind Wolken über dem Schwielowsee, so wie die Fischer es einst bei ihrem schweren Tagewerk erlebten. Es stellt das himmlische Reich Gottes dar. Einige Wolken wurden mit Engelsdarstellungen versehen.

Der Altar, das Gestühl, die Empore und der Taufengel stammen aus der Bauzeit der Kirche. Die Wappen der Plessower Patronatsfamilien von Rochow und von  Arnim sind rechts und links zum Gedenken eingefügt.

Das Faszinierende an Taufengeln in Brandenburgs Kirchen ist, sie sind alle verschieden.  Der Taufengel in der Fischerkirche war vielleicht einst als Galionsfigur des Schiffes gedacht. Doch ist er nicht nur Dekorationsobjekt, sondern wird bei Taufen eingesetzt. Die androgyne, an Ketten aufgehängte Figur kann mittels eine Zugsystems herunter gelassen werden.

Die Taufe kommt von Gott - diese Botschaft soll über die Engel bildhaft hinausgetragen werden. So wird das von Gott kommende Heil veranschaulicht. In seinen Händen hält der Engel die um 1738 aus Zinn hergestellteTaufschale, in die das Wasser  zum Taufsakrament gefüllt wird.

Nach der Epoche der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert waren die androgynen Taufengel derart umstritten, dass sie aus vielen Kirchen wieder entfernt wurden oder notwendige Reparaturen der Aufhängung unterblieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ihr kirchenhistorischer Wert neu entdeckt.

Im besonderen Gedenken und als Trost für die Angehörigen wurden einst Totenbretter an der Empore angebracht. In vergangenen Jahrhunderten war die Kindersterblichkeit sehr hoch. Totenkronen und Totenkränze für unverheiratet Verstorbene wurden als Ersatz für die zu Lebzeiten fehlende Brautkrone verehrt. Sie wurden in die christliche Himmelshochzeit geführt. Sie machten aus den Verstorbenen himmlische Bräute und Bräutigame, die unmittelbar in das Reich Gottes eingingen und dort Fürsprache für ihre Hinterbliebenen nehmen konnten. Die Gedenksprüche auf diesen Tafeln sind zeitlos und spenden auch in unserer heutigen Zeit Mut und Trost.

Die Kirche ist ein wunderbares Beispiel zeitgenössischer Denkmalkunst. Wer Werder und Umgebung besuchen möchte, dem sei sie als Ausflugsziel genannt. Planen Sie mehr Zeit ein und machen Sie einen Rundgang durch das kleine aber feine Museum. Für Besichtigungen ist der Schlüssel für die Kirche  erhältlich im

Museum der Havelländischen Malerkolonie
Beelitzer Straße 1
14548 Schwielowsee / Ortsteil Ferch

Der Eintritt in die Kirche ist frei, doch für laufende Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen wird um Spenden gebeten!

Pfarramt, Tel.: 03327-42700

Literaturquelle: Sylvia Müller, Vergessene Denkmäler der Liebe. Der Totenkronenbrauch in der Mark Brandenburg

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