Regionales

Der Zauberberg für Arme - die Heilstätten in Beelitz

Hohe Decken, breite Gänge, große Fenster mit Stuckrosetten, Rundbögen und Schnörkel, eine tolle Aussicht ins Grüne ... Vogelzwitschern ... Ruhe und Erholung. Die Heilstätten in Beelitz waren einst Preußens schärfste Waffe gegen die grassierende Tuberkulose.

In den Heilstätten wurden Menschen betreut, meist einfache Arbeiter, die zu Hause zu zweit oder zu dritt in einem Bett schiefen. Die beengten Wohnverhältnisse und schlechten Hygienebedin-gungen begünstigten die Verbreitung von Tuberkulose. Statt wöchentlich einmal Baden gab es in Beelitz täglich eine Dusche, jeder hatte sein eigenes Bett und fünf Mahlzeiten am Tag!  Reichlich Gemüse, Fleisch und Kartoffeln, viel Milch, Butter, Kaffee und Bier trugen zur Genesung bei. Frische Luft und Sonnenlicht standen auf dem täglichen Programm. Alles wurde kontrolliert und mit preußischem Drill überwacht.

Einst waren die Heilstätten eine abgeschlossene Welt für Kranke, in den Weltkriegen Lazarett und ab 1945 sowjetisches Hoheitsgebiet mit dem größten Militärkrankenhaus außerhalb der Staatsgrenzen. Nach dem Abzug der Truppen entwickelte sich das Gelände zu einem geheimen Ort. Die mysteriöse Atmosphäre lockte viele Neugierige an, die über die Zäune kletterten. In den verlassenen Räumen fanden Hobbyfotografen eine traumhafte Kulisse, Geisterbeschwörer trafen sich zu okkulten Treffen, Graffiti-Sprayer sprühten ihr Werk an die Wände und Kriminelle schafften alles an Inventar beiseite, was nicht  niet- und nagelfest war.Am schlimmsten hausten die Kupferdiebe; das Metall wurde von den Dächern geklaut und die Häuser waren schutzlos den Elementen ausgeliefert.

Die Natur bahnte sich ihren Weg, aus Mauerritzen wuchsen junge grüne Triebe. Öffnet sich die Tür zum früheren Männer-Sanatorium, weht dem Besucher heute eine Welle feucht-kühler Luft entgegen. Eindringendes Wasser sammelt sich auf dem Boden, die Fenster sind verrammelt. 

Heute fasziniert die Besucher der morbide Charme. Beelitz ist aus architektonischer Sicht etwas Besonderes, und ein geführter Rundgang vermittelt einen kleinen Eindruck zur Zeitgeschichte.

Die Vermarktungsideen für die Heilstätten gehen noch weiter: Einige Zimmer der Gebäude will man originalgetreu zu einem „Zeitreisemuseum" herrichten.  

Text Auszugsweise: Apotheken Umschau  
Fotos: Quelle Pixabay  

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Barfußpfad

Barfußpfad - Beelitzer Heilstätten

Seit dem 6. Juni 2017 gibt es „gleich nebenan" Brandenburgs ersten Barfußpark, der Besuchern auf verschiedenen Strecken ein unmittelbares Naturerlebnis ermöglicht und sie Dinge hautnah erleben lässt, die im städtischen Alltag fast völlig verloren gegangen sind.

Mit nackten Füßen durch Matsch oder über Tannenzapfen zu laufen, entspannt nicht nur, es macht auch bewusst, dass die Natur vieles zu bieten hat, das wir vor lauter Stress vergessen haben. Eine echte Rückkehr zur Authentizität, die einen Ausflug lohnt.

Auf einer Gesamtstrecke von 3,1 Kilometern geht es über ein verzweigtes Wegenetz mit drei Hauptpfaden, die miteinander kombinierbar sind, barfuß zum Beispiel durch wadentiefen Schlamm und kaltes Wasser, über feinen Sand und piksende Bucheckern. Der Barfußpark verfügt zudem über 60 unterschiedliche Stationen, an denen Kinder und Erwachsene die Natur über die Sinne und auf spielerische Weise kennenlernen können. So ergänzt der Barfußpark optimal das Angebot des benachbarten Baumkronenpfades: Vom Baumkronenpfad aus können die Besucher das Gartendenkmal von oben erleben, im Barfußpark von unten, über die Füße und mit allen Sinnen.

 

Beelitz-Heilstätten. Brauereigaststätte, Blumenschau und ein Barfußpark

Die Baumkronenpfad-Investoren in Beelitz-Heilstätten wollen ihre Erweiterungspläne vorantreiben und 2017 mit der Sanierung von drei historischen Häusern auf dem Areal beginnen. Bauanträge sollen jetzt für die einstige Küche, die Wäscherei und die Chirurgie gestellt werden.

„Unser Ziel ist, Baurecht bis April 2017 für diese Bauten zu schaffen. Dann wollen wir ein Jahr bauen", sagte Georg Hoffmann, Geschäftsführer der Heilstätten Projektgesellschaft (HPG). Im Küchengebäude soll eine Brauereigaststätte entstehen. „Wir stellen uns schon vor, dass dort in einer Mini-Brauerei auch selbst gebraut wird", sagte Hoffmann. Für das künftige Lokal gebe es mehrere Bewerber. In der früheren Wäscherei sind im Erdgeschoss Tagungs- und Seminarräume geplant. Im Obergeschoss soll ein Heilstätten-Museum einziehen, in dem einiges über die Geschichte des Ortes zu erfahren ist. Eine Kommission, in der Heilstätten-Kenner aus der Region mitwirken, soll das Museumskonzept entwickeln.

Für die ehemalige Chirurgie sind mehrere Funktionen vorgesehen. Sie soll als Entree zum Heilstätten-Park und zugleich in den Kopfbauten als Sitz der Parkverwaltung dienen. In dem schlossähnlichen Bau ist außerdem eine Blumenschau geplant. Für die Balkone in der ersten und zweiten Etage haben die Planer Besonderes vor: auf jeweils 200 Meter Länge sollen Blumenkästen aufgestellt werden. „Wir wollen den längsten Blumenbalkon Deutschlands schaffen", sagte Hoffmann. „Die Gebäude werden wir nicht auf Hochglanz sanieren. Sie sollen äußerlich ihre Patina behalten." Die zweite Bauphase, die 2017 starten soll, bezeichnete er als die wichtigste und sprach von einem Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro. Bestandteil ist auch die Erweiterung des Baumkronenpfades. Er soll um 400 Meter verlängert werden, geplant ist ein Rundweg mit zwei Plattformen.

„Das Ganze funktioniert nur, wenn wir mindestens 600 000 Besucher pro Jahr haben", so Hoffmann. Für den „bundesweit vermarktbaren Standort" sieht er sogar ein Potenzial für jährlich einer Million Gäste. Eine weitere Attraktion, die allein 100 000 Besucher anlocken soll, will der Potsdamer Thomas Müller-Braun mit einem Geschäftspartner in Nachbarschaft des Baumkronenpfades schaffen. Auf einer Fläche von 15 Hektar soll ein Barfußpark entstehen. Vorbild ist der Barfußpark in Egestorf in der Lüneburger Heide, den Müller-Braun und sein Partner betreiben. Für das neue Projekt wird derzeit die Barfußpark Beelitz GmbH gegründet. „Wir wollen bis zu 500 000 Euro investieren", so Müller-Braun. Der Pachtvertrag zwischen den künftigen Betreibern und der HPG sei bereits unterzeichnet. „Die Bauanträge werden wir im Juli stellen."

Der Zeitplan sieht weiter vor, im Herbst mit den Arbeiten zu beginnen und bis Anfang Mai 2017 den Barfuß-Park zu eröffnen. Müller-Braun kündigte drei Parcours mit einer Gesamtlänge von 3,1 Kilometern und 60 verschiedenen Elementen an. Wer den Park betritt, gibt an den Schließfächern Schuhe und Socken ab. Im Gesundheitsparcours geht es barfuß etwa über Kiefernzapfen oder durch kaltes Wasser. In einem Parcours mit pädagogischer Note soll die Natur zum Beispiel mit Insektenhotels näher gebracht werden. Und im dritten Areal kann der Besucher die Umwelt auf spielerische Weise wahrnehmen. Dort soll es etwa Riech- und Tastkästen, Summsteine oder ein Baumtelefon geben. „Im Barfuß-Park tut man Dinge, die man zuletzt in seiner Kindheit getan hat - zum Beispiel durch Modder laufen", sagte Müller-Braun.

Von Jens Steglich / Artikel veröffentlicht: Dienstag, 21.06.2016/ MAZ / Lokales

Baumkronenpfad Beelitz

Baumkronenpfad Beelitz
Ende des 19. Jahrhunderts starben Tausende Menschen an Tuberkulose, einer Infektionskrankheit die durch Bakterien verursacht wird. Arbeiterfamilien mit Kindern traf es am härtesten. Es waren einfache Menschen, die in kleinen Wohnungen in Berliner Hinterhöfen ohne Licht und Sonne, in meist ärmlichen Zuständen leben.  

Zu den erste Maßnahmen gehörte eine Aufklärung über die Krankheit, zum anderen wurden an Berlins Randbezirken wie in Beelitz Erholungsstätten aufgebaut. So entstand in diesem ausgedehnten Waldgebiet zwischen 1898 und 1930 eines der größten Krankenhauskomplexe. Die Anlage war eine kleine Stadt mitten im Wald. Die Gebäude der Heilstätten wurden aus ästhetischen Gründen teilweise mit vorgesetzten Fachwerkfassaden versehen. Sie gaben ihnen das Aussehen von englischen Landhausvillen.

Neben den Patientenzimmern gab es eigene Werkstätten, den Fuhrpark, das Heiz- und Badehaus, Waschhäuser, Küchengebäude, Gebäude für das Personal und vieles mehr. 
Die Mitarbeiter der Beelitzer Heilstätten waren größtenteils Selbstversorger. Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse wurde in den eigenen Betrieben auf dem Gelände verarbeitet oder angebaut. Das im Jahr 1902 errichtete Kohlekraftwerk, die erste Kraft-Wärme-Kopplungsanlage Deutschlands hatte im Schornstein einen Wassertank.  

Der Turm zum Baumkronenpfad

Der 1907 errichtete Pavillon B IV, auch liebevoll als Alpenhaus bezeichnet, bekam seinen Namen von den benachbarten „Beelitzer Alpen" einer künstlichen Hügellandschaft, die durch die Aufschüttung des Bauaushubes bei den Bauarbeiten entstand. Nach Fertigstellung war dort eine wundervolle Parkanlage mit geschwungenen Wegen, Wiesen, kleinen Hängen und Brücken.   

In den Beelitzer Wäldern tobte 1945 die letzte Schlacht des Zweiten Weltkrieges, die Heilstätten waren als Kriegslazarett umfunktioniert. Während der Kämpfe wurde das Alpenhaus stark beschädigt und der Dachstuhl brannte völlig aus.

Kernbestandteil der Therapie waren Liegekuren an frischer Luft. In speziellen Liegehallen außerhalb der Gebäude waren die Patienten bis zu 6 Stunden an der frischen Luft.

  
 
Das Gestell einer Liege, Relikt einer längst vergangenen Zeit

Heute ist es möglich die Gebäude und das Areal in 23 m Höhe auf einem Pfad durch die Baumwipfel zu erkunden. Treppenstufen führen hinauf, zur Entlastung gibt es auch einen Fahrstuhl. Schwindelfrei sollte man sein, denn die Treppe führt noch weiter hinauf zu einer Aussichtsplattform, 40 m hoch ist der Turm. Der eigentliche Pfad ist ein Holzweg auf einer Stahlkonstruktion, bei schönem Wetter und blühenden Bäumen ein Erlebnis. 
   ILau
www.baumundzeit.de
 

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