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Große Geschichte und feine Sprüche

Große Geschichte und feine Sprüche
Der Werderaner Maler Wilfried Mix und sein Künstlerkollege Ingo Schiege aus Lübbenau präsentieren der 700-jährigen Stadt Werder ein besonderes Geschenk. In der Turmgalerie auf der Bismarckhöhe in Werder stellt Mix sein Triptychon zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Blütenstadt aus. Schiege hat die Sprüche der Werderschen kalligraphisch verarbeitet.

Bereits drei Jahre vor dem ersten Pinselstrich begann für Wilfried Mix die Arbeit an seinem Triptychon zum Stadtjubiläum von Werder. Da suchte er im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg nach geschichtlichen Fakten. Denn lange vor 1317, als Markgraf Waldemar den Inselflecken Werder an das Kloster Lehnin schenkte, müssen Menschen hier gelebt haben. Unterschiedliche Quellen und auch eigene Erfahrungen halfen ihm, den immer konkreter fassbaren Verlauf der Werderaner Geschichte in drei Bildtafeln darzustellen. Auf der letzten, die Zukunft Werders betreffend, ist die Farbe beinahe noch feucht. Am Samstag zur Vernissage in der Turmgalerie auf der Bismarckhöhe konnten Besucher das umfangreiche Kunstwerk erstmals komplett besichtigen: acht Meter lang, 1,90 Meter hoch. Gekommen waren so viele Neugierige, dass der Blick darauf zeitweilig schwierig war. Und munter wurde es diskutiert. Wilfried Mix stand jedem Rede und Antwort. Das Triptychon, nun Eigentum der Stadt, soll einmal in der Touristen-Information im noch zu sanierenden Lindowschen Haus seinen Platz finden. Das Lindowsche Haus ist bei Mix genau wie die Blütentherme auf der Zukunftstafel dargestellt. Das wann ist also offen.

Die kalligraphischen Arbeiten des Lübbenauers Ingo Schiege wirken wie eine feine, stille Ergänzung zum gegenüber stehenden spektakulären Bildwerk. Der Spreewälder gestaltete Sprüche der Werderschen, die Ortschronist Baldur Martin gesammelt hat, sowie Aphorismen Christian Morgensterns. Da liest man Weisheiten wie „Der Erdbeeracker ist der beste Lehrmeister" oder „Der Gärtner hört nur auf Gott und die Natur" und schmunzelt über „Beim Obstwein schmeckt das nächste Glas immer am besten". Seine Unikate gestaltete Ingo Schiege extra für diese Ausstellung. Der Autodidakt, der bereits in London ausstellte, hatte sich eigentlich mit kalligraphisch verarbeiteten Worten unterschiedlicher Dichter um eine Schau in der Turmgalerie beworben. Der Freundeskreis Bismarckhöhe trug ihm stattdessen die ortsbezogenen Texte an.

Die Ausstellung „Original Werder" ist bis zum 3. Oktober an den meisten Sonntagen von 14 bis 18 Uhr oder nach Anmeldung unter 03327/66 31 70 zu sehen.

MAZ, Montag 24. Juli 2017 von Edith Mende

 
Foto Wilfried Mix (r.) und Ingo Schiege stellen in der Turmgalerie auf der Bismarckhöhe in Werder aus.

Quelle: Edith Mende

 

Wilfried Mix

Wilfried Mix
In der Fischerstraße 60, mitten in Werders Inselstadt, steht das Geburts- und Wohnhaus von Wilfried Mix. Der Anbau des Hauses war einst Heimstatt für seine Wiege, das ist nun schon über 50 Jahre her. Jetzt ist hier sein Arbeitsplatz. Fest verwurzelt mit der Insel und seinen Bewohnern, begann er hier auch seine selbstständige Laufbahn als Werbegrafiker und Maler.

Sein erstes Ölbild entstand 1981. Die Ansicht der Inselbucht mit dem legendären Fährsteg hängt im heimischen Wohnzimmer. Die Havellandschaft: Anregung und Motiv für viele seiner Bilder, und so ist Wilfried Mix nicht nur bei den Einheimischen als „Inselmaler" bekannt.

Bei seiner Leidenschaft, dem Angelsport, hat Wilfried Mix im Boot auch stets Kamera, Papier und Bleistift dabei. „Es gibt manchmal solche tollen Ansichten. Die müssen einfach festgehalten werden", erzählt er. So hat er denn aus seinen Bildern einen Inselführer entwickelt. Darin ist die Geschichte der Stadt mit den Werken des Malers verknüpft, der seit 34 Jahren die Werderaner Gegend auf Leinwand bannt. Den Führer in der Hand, kann der Tourist Originalmotiv und Gemälde vergleichen. Die Idee dazu hatte Mix gemeinsam mit der Gilde der Stadtführer Werders. Die Mitglieder machen auf ihrem Rundgang über die Insel halt im Atelier von Mix. Viele seiner Bilder befinden sich in Privatbesitz, so suchte Mix 37 Motive heraus und die Damen der Stadtführergilde schrieben den Begleittext. Da erfährt der geneigte Besucher Informationen zu den Sehenswürdigkeiten, die nach Lust und Laune bei einem Rundgang über die Insel gezielt oder zufällig gefunden werden können.

„Inselstadt Werder (Havel)", 42 Seiten, 10 €
erhältlich bei Wilfried Mix, Fischerstraße 60, Insel Werder

Wilfried Mix - "Galgenpoesie zu Morgenstern"

Wilfried Mix -
ist der Titel des Bildes

Der Inselmaler Wilfried Mix versprach im Jahr 2010 dem Vorsitzenden des Freundeskreises Bismarckhöhe ein besonderes Geschenk, ein Bild für das künftige Morgen-sternmuseum. Jedem, der nicht ganz vertraut ist mit Christian Morgenstern und seinen Galgenbrüdern: Es waren jene, welche in Werder einen äußerst zweifelhaften Ruf davon-trugen, doch Ehre, wem Ehre gebührt, wie die Geschichte zeigt.

Es war eine bewegte Zeit und acht junge Männer waren fest entschlossen, dem feindlichen Moment, wo immer sie ihm, im Sinne der Zeit, begegnen, mit ausgesuchter literarischer Spielerei entgegen-zutreten.
Finstere Rituale waren ein Ausdruck des Widerstands gegen Flottenaufrüstung, Fortschritts-besessenheit, Deutschtümelei, kolonialen Größenwahn und die Todesstrafe.

"Vor dem Ekel muss man sich mit Lachen schützen", schrieb Morgenstern einst in sein Tagebuch.

Das Treffen der Galgenbrüder im beschaulichen Werder, in der kleinen Restauration "Zum Galgenberg", folgte strengen Ritualen. Sanduhr, Arme-Sünder-Strang und Henkersbeil waren ihre Requisiten. Todesurteile wurden gesprochen und symbolisch vollstreckt. Schlag Mitternacht erwachte die Gemeinschaft aus dem Todesschlummer und sang zu Werderschem Obstwein die Galgenlieder.

Im Winter traf man sich in Berliner Kneipen. Wohl rund zwei Jahre währte diese Gemeinschaft, in der allerhand Unwesen und Schabernack getrieben wurden. Ihr Weg führte sie immer wieder nach Werder. Sie tagten zwar auf dem Galgenberg, aber nicht mehr im Restaurant. Ihre Ausgelassenheit und derben Scherze hatten den Wirt, Gustav Altenkirch, veranlasst, sie auf das benachbarte Grundstück zu verlegen: auf den abgelegenen Landstrich vom Obstbauern Kassin, der eine eigene Fruchtweinpresserei betrieb. Hier, zwischen hohen Fliederbüschen, waren ein Tisch und Stühle aufgestellt. Der rechte Ort für die acht Galgenbrüder, um ungestört und unbeobachtet zu zechen und ihren Ulk zu treiben. Ihr lautes Grölen und Gelächter waren bis auf den Hohen Weg zu hören. Einen Teil seiner Galgenlieder soll Morgenstern hier erstmals vorgetragen haben.

Am 14. Januar 2004 gründeten 15 Bürger aus Werder und Umgebung den Verein "Freundeskreis Bismarckhöhe". In seiner Satzung hat der Verein unter anderem festgeschrieben, dass er seinen Beitrag zur Sanierung der einstigen Höhengasstätte mit eigenen Leistungen erbringen und mit Gewinnung von Spenden verbinden will. Die Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer sind seitdem unermüdlich mit umfangreichen Maßnahmen zur Erhaltung des Objektes und dessen Restaurierung beschäftigt.                                     
                              (s. Lauwaßer, Ingeborg "Werders Höhengaststätten")

Wilfried Mix beteiligte sich mit einer besonderen Spende und überreichte ein Bild mit den beeindruckenden Maßen von 120 x 140 cm. In Öl auf Leinwand zeigt sich im Hintergrund die Inselstadt Werder (Havel) an einem beschaulichen Frühlingsmorgen. Vom noch recht dunklen Himmel weht die Nebelfrau mit dem Raben Ralf und der Eule heran, im Sog fliegende Baumblütenblättern. Sie folgen dem Dirigenten und Musikanten sowie Morgenstern, der gerade seine Galgenlieder zum Besten gibt. Das Knochenklavier gibt die Melodien, Obstweinflaschen versprühen Frohsinn pur, während der letzte Gehängte vom Galgen fällt. Der Kran nimmt aus dem Lattenzaun den Zwischenraum heraus und baut daraus ein Haus. Hinter der Zinne der Bismarckhöhe geht gerade die Sonne auf – unser Morgenstern.

Februar 2014, Ingeborg Lauwaßer
www.inselatelier-werder.de

Wilfried Mix

Wilfried Mix
"Kunst offen" in der Galerie Kobelius auf Usedom 2012

Wilfried Mix hatte "seine" Insel Werder verlassen, um den Horizont zu erweitern, seinen Blick zu schärfen, und so reiste er auf Einladung seines Freundes und Kollegen Ulrich Kobelius nach Usedom. Auch eine Insel, Heimatgefühle wurden geweckt.

Schon im Jahr 2011 weilte er bei Kobelius und nahm an einem Workshop teil. Maltechniken aus vergangener Zeit, mit Eigelb als Bindemittel, waren das gedachte Pensum. Leider wurden die Pläne durchkreuzt, denn Mix musste nach einem Hornissenstich erst mal eine künstlerische Pause einlegen.

Pfingsten 2012 hatte er nun zehn Bilder im Gepäck, in Öl, Aquarell und Zeichnungen, und natürlich einen Gruß von der Insel Werder in Form von leckeren Wein, vom Obsthof Wache – den Gästen hatte es sichtlich gemundet.

Seinem Stil ist Mix treu, und so erklimmt beim "Käpt´n von Bord" ein Mann mit einer Leiter den Rand einer riesigen Muschelschale, das Boot liegt sicher vor Anker, und der Leuchtturm reckt sich empor.

"Kunst offen" fand bereits zum 15. Mal statt, die alten Hasen der Branche treffen sich immer wieder und stoßen auf junge Künstler, jeder kann einen Einblick in das Schaffen des Anderen erlangen.

"Landschaftsmalerei surreal" war dann auch das Thema in diesem Jahr, und so standen zwei Inseln im Fokus der Ausstellung. Werder, Mix Insel, auf der er lebt und arbeitet. Die Landschaft lässt keine Langeweile aufkommen, denn zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter gibt die Insel ihre Ansichten preis. Doch über die gewöhnliche Landschaftsdarstellung ist Mix längst hinaus. Seine gegenständliche Malerei, verbunden mit surrealistischen Elementen, fordert den Betrachter zum Nachdenken auf. Neben den Ansichten von Werder waren für diese Ausstellung neue Arbeiten entstanden, wie die Insel Usedom in eine Muschelschale gebettet, umspült von wogenden Fluten.

Ob in Werder oder auf Usedom - jeder Betrachter, konnte seine eigene Insel erstehen und mit nach Hause nehmen.

Ingeborg Lauwaßer

www.inselatelier-werder.de


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