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Gespräch im Atelier von Maren Simon

Kunst ins Gespräch bringen und ins Blickfeld der Menschen rücken, das ist etwas, was Maren Simon mit ihren Arbeiten gelingt.

Das Provokante, was die Kunst ausmacht, die Debatte, der Diskurs über die Arbeiten, der Dialog zwischen den Künstlern und mit den Betrachtern ist es, weshalb sie sich auch an Ausschreibungen beteiligt. „Missverständnis" ist die Werksbezeichnung für zwei Frauenskulpturen, in weißem Ton gearbeitet und farbig glasiert, die sie zur art-figura 2015 in Schwarzenberg eingereicht hat.

"Leben heißt Grenzen setzen und Grenzen überwinden. Immer sind wir eingebunden in eine bestehende Rangordnung. Wir behaupten uns, passen uns an oder leisten Widerstand. Immer ist jedoch eine Entscheidung gefordert. Oft müssen wir kämpfen und erleiden hierbei Verletzungen, die schwer, manchmal sogar nie heilen wollen.

Welche der beiden Frauen „agiert" und welche „reagiert", sich also zur Wehr setzt, findet jeder Betrachter - der Titel deutet es an - entsprechend seiner eigenen Erfahrungen für sich selbst heraus."                                                                                   
                                Maren Simon

Der Wettbewerb der art-figura 2015 lief unter dem Thema: AKTION - REAKTION

Am 28. August 2015 erhielt Maren Simon zur Vernissage in Schwarzenberg eine Auszeichnung für ihr Werk „Missverständnis".

In ihrer Galerie fällt mir eine Figurengruppe ins Auge, die Bremer Stadtmusikanten, nur dass dieses Figurenspiel nichts mit dem gemein hat, wie ich es aus dem Märchen kenne. Der Hahn, im Original der kluge Kopf als Spitze der Figurenpyramide, stets bemüht, unter die Oberfläche der Dinge zu schauen, kann in der auf den Kopf gestellten Version von Maren Simon nichts mehr sehen: er wird breit gematscht von den Tieren über ihm. Hund und Katze auf seinem Rücken haben durch ihre unterschiedliche Körpersprache von jeher ein angespanntes Verhältnis zueinander. Und zu guter Letzt thront der Esel, im Volksmund als stures, oft auch dummes Tier beschrieben, schreiend obenauf. Assoziationen zur derzeitigen politischen Lage sind beabsichtigt und gewollt.

Eine lebensgroße Zeichnung, Entwurf zu einer Gartenfigur, eine Auftragsarbeit. Die etwas andere Art des Wohnens, versteckt im Körper, eine Nistmöglichkeit für Vögel.  

Maren Simon arbeitet als Künstlerin stets dem inneren Zwang folgend, sich durch ihre Kunst auszudrücken. In unserem Gespräch sagte sie über sich: „Ich entwickle mich wie eine Graswurzel, von unten nach oben ..."

So zeigte sie mir ungebrannte Skulpturen, Porträts von Frauen, meist Menschen, denen sie in unmittelbarer Nähe begegnet oder die ihr nahestehen. Die Vielschichtigkeit eines Menschen hervorzuheben, so wie bei der alternden Tänzerin - grazil, knochig und doch von einer Zerbrechlichkeit, die ein langes Leben oft mit sich bringt.

  19.11.2015

Austellung im Güldenen Arm

Austellung im Güldenen ArmPicasso hätte ich gefallen ...

Zeichnung, Malerei und Skulpturen von Maren Simon im Museumshaus

"Im Güldenen Arm", Potsdam - Innenstadt, 30.06.2012

Das Haus "Im Güldenen Arm" hatte auf diese Ausstellung gewartet. Die Malereien, Zeichnungen und Skulpturen von Maren Simon, der in Babelsberg geborenen und im Potsdamer Umland lebenden und arbeitenden Künstlerin, hatten dem Museumshaus mit seinen nicht unbedingt für eine Galerie prädestinierten Räumen eine Geist und Sinne inspirierende Atmosphäre gegeben.

Umgang mit Kunst war Maren Simon von Kindheit an selbstverständlich. Ihrem Vater, von Beruf Kunsterzieher, war es eine Freude, mit ihr in Ausstellungen und Museen zu gehen. Zunächst begann Maren Simon eine Gärtnerlehre, die sie als Facharbeiterin für Zierpflanzenbau in Caputh abschloss. Doch das Bedürfnis nach künstlerischer Äußerung lag in ihr. Sie ging in den Zeichenzirkel der verdienstvollen Kunsterzieherin Suse Ahlgrimm, machte ihr Abitur nach, wurde an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchgestaltung aufgenommen. 1987 erhielt sie ihr Diplom und begann mit der selbstständigen Erkundung künstlerischer Themen.

Tritt man in die breite Durchfahrt des Museumshauses, ist man umfangen von großformatigen farbigen Arbeiten, deren pulsierende Vitalität fasziniert. Das Erlebnis wiederholt sich bei den Blumenstillleben. Hier ist jemand im Innersten vertraut mit der Natur und gleichzeitig frei, um eine Bildwirklichkeit zu erschaffen, die von künstlerischen Gesetzen getragen wird.

Ihre Grafik erfordert eigentlich ein Kapitel für sich. Da sind Landschaftsstudien in Bleistift und Farbe, deren Striche Energiebündeln gleichen. Da sind aber auch ihre Porträts, überzeugend in ihrer Ehrlichkeit und von brillantem grafischem Können. In ihren zahlreichen Selbstporträts zeigt sie sich als höchst selbstkritische Beobachterin, die dem skurrilen Humor nicht abgeneigt ist. Hier findet sich in einem blind gezeichneten Porträt auch das für die Ausstellung titelgebende Objekt "Picasso hätte ich gefallen". Es ist getragen von einem Humor, der auch in ihren geradezu heiteren Aktstudien aufblitzt.

Unbestrittener Höhepunkt der Schau aber sind die lebensgroßen Köpfe aus Ton, im Raku-Brand zur künstlerischen Wirklichkeit erweckt. Verborgene Charaktere sind in einer Weise künstlerisch offenbart, die vergnügt und staunen lässt. Zorn hingegen kommt auf, wenn man im letzten Raum vor dem Opfer eines noch ungeklärten Aktes von Vandalismus steht und die Dokumentation liest. Einer ihrer Figuren wurde vor dem Brennen die obere Hälfte abgeschlagen. Maren Simon hat aus den Fragmenten eine verstörend aussehende Gestalt geschaffen und den Satz dazu gesetzt:

"Kunst ist nicht totzukriegen"                                                                            

               Arno Neumann








Tom-Richard

Tom-Richard
Gespräch mit Tom-Richard

Toms Familie war gerade auf die Insel gezogen. Bei einem seiner Spaziergänge mit seinem Hund Jack entdeckte er das Atelier von Maren Simon. Ein Blick durchs Fenster gab die Sicht auf einige Figuren frei und Tom-Richards Neugier war geweckt. Nach seinen eigenen Worten hat er sich gewundert, warum da solche Figuren standen. Da die Tür offen stand, ging er hinein und wollte wissen, was da so eben war. Erstaunt musste er feststellen, dass es unter anderem Figuren von Tieren, allerdings nur von Katzen gab. Nirgends war ein Hund zu entdecken. Er wollte gern eine Statue mit seinem Hund als Erinnerung für immer.

Bald waren sich Künstlerin und Kunde einig über eine Bestellung. Ein Brief an die Eltern informierte und regelte den weiteren Ablauf. Eine symbolische Summe wurde für die Skulptur vereinbart. Tom-Richard sparte sich das Geld dafür zusammen, verkaufte unter anderem auf dem Flohmarkt altes Spielzeug. Im Atelier stand ein Sparschwein, welches sich im Laufe der Zeit füllte. Derweil machte sich die Künstlerin an die Arbeit, fertigte eine Zeichnung als Entwurf. 

Tom-Richard kam mit seinem Freund ins Atelier, um Modell zu sitzen, die Künstlerin skizzierte klassisch, eine sitzende Figur auf einem Stein. Er übergab der Künstlerin eine Tassenscherbe. Sie versprach, die Scherbe mit einzuarbeiten, gewissermaßen als Winterpullover zu Schal und Mütze.


Voller Ungeduld konnte Tom-Richard die fertige Figur nicht erwarten, kurz vor Weihnachten war es endlich soweit.

Freude glitzerte in seinen Augen, sorgfältig trug er die Figur nach Hause. Heute hat sie ihren Ehrenplatz in der Vitrine.  

Als Dankeschön bekam die Künstlerin gemaltes Bild geschenkt. Es hängt im Atelier. Tom-Richard verewigte hier seinen liebsten Freund. „Fenadodaritschi" ist der Künstlername von Tom-Richard, in Anlehnung an sein großes Vorbild Leonardo da Vinci.

Sein Hund Jack ist auch der Protagonist seiner Geschichten, wie „Speiderdog und das Abenteuer" oder „Speiderdog feiert Weihnachten". Wenn Tom-Richard mit einer Geschichte mal nicht weiterkommt, sieht er nur seinen Hund an und überlegt, was der tun würde. Da das Leben die besten Geschichten schreibt, beruht „Speiderdog und die Liebe" auf der Begegnung von Jack und einer Hundedame in der unmittelbaren Nachbarschaft.      

Was er sich als Berufswunsch vorstellen könnte:

„Ich möchte gerne so eine Art Tierheim machen, iss aber kein Tierheim, sondern ein Hundehotel, dort kann man Streuner auch aufnehmen. Wer verreisen will, darf sein Tier dort in Pension bringen. Ich möchte eigentlich auch nicht diese Käfige, ich möchte eigentlich gern so was wie Hotelzimmer mit Katzenklappe damit die Hunde kommen und gehen können, wann sie möchten. Der Film "Das Hundehotel" hat mich dazu inspiriert."  

                                                                                                                                            
Ingeborg Lauwaßer, April 2011




Maren Simon

Maren Simon
Uferhaus-Atelier, Insel Werder

Viele Wege führen nach Werder, und beim Gang über die Inselbrücke gleich rechts stoßen Sie auf das Uferhaus-Atelier der Künstlerin Maren Simon.

Als havelländische Künstlerin hat sich Maren Simon längst einen Namen gemacht. Sie möchte präsenter sein, mit Kunstinteressierten stärker ins Gespräch kommen. In der Mühlenstraße auf der Inselstadt hat sie ihren Platz dafür gefunden. Hier kann man Maren Simon beim Arbeiten zuschauen und eine kleine Auswahl ihrer Werke bestaunen. Simon verbindet Zeitkritik mit Humor und Kunstsachverstand. Ihre Werke - in jüngster Zeit vor allem Skulpturen - sind doppelbödig, wie die Büste "Pubertierende", aus deren Kopf Efeu wächst. "Man muss den jungen Leuten was in den Kopf pflanzen", sagt Simon.

Eine Büste der Baumblütenkönigin aus dem Jahr 2008, wie Simon sie sich vorstellt - urig verwachsen.

Die Auseinandersetzung mit dem Jetzt, Hier und Heute ist die grundlegende Richtung. Gula - der lateinischen Begriff für Völlerei und damit eine der Todsünden, steht hier für das abgemagerte Mädchen, das nicht erwachsen werden will - ein Spiegelbild des Schlankheitswahns; Gula, die sich ihre Kindlichkeit mit aller Macht bewahren möchte und an der Wahrnehmung des eigenen Ichs zerbricht.



Oder das brüchige Gefäß, der Mensch von heute mit Löchern im Kopf.

Berührend, öffnend, grundlegend und einstimmend.

Die keramischen Figuren von Maren Simon erhalten ihre spröde Schönheit durch Raku-Glasuren.

Der Brennverlauf lässt sich beim Raku nur bedingt steuern, sodass jedes Stück ein Unikat ist. Von Sprüngen und Rissen gezeichnet, erhalten die Porträts eine herbe Zerbrechlichkeit, wirken verletzlich und anrührend.

Will man einen Zipfel ihres Wesens erhaschen, ist ein Besuch bei Maren Simon im Uferhaus-Atelier empfehlenswert.

Jemand, der das Atelier und die "Künstlerin", wie er sie immer nennt, schon lange für sich entdeckt hat, ist Tom-Richard. Seine Freundschaft zur Künstlerin schließt auch immer wieder Besuche im Atelier ein. Dazu eine Begebenheit, erzählt von Maren Simon selbst:

"Er kam im Winter ein Jahr zuvor zu mir, es war eiskalt und an der Föhse standen die Enten und froren. Manche standen auf einem Bein und schlummerten.

Tom-Richard hatte eine Ente beobachtet, der ein Bein fehlte, und er kam mit diesem Problem zu mir, weil er meinte, ich könne helfen.

Ich dachte an eine "Schlummerente" und versuchte ihn zu beruhigen, aber er blieb bei seiner Theorie, ich musste mit nach draußen und nachschauen ... auch sein Hundchen Jack war dabei.

Und ich sollte die Ente vom Eis holen und ihr eine "Prothese" (ein Ersatzbein) aus Ton bauen -‚ ... du kannst das doch, sagte er zu mir, den Tränen nahe.

Ich verwies auf den Tierarzt und erklärte ihm, dass es keine Befestigungsmöglichkeit eines Tonbeinchens an der Entenunterseite gäbe.
Das verstand er, blieb aber trotzdem sehr traurig, weil wir nicht helfen konnten.

Ob der Ente tatsächlich ein Bein fehlte - ich weiß es nicht. Es sah schon anders aus als üblich. Vielleicht hatte sie es an das Eis verloren.
Das große Mitgefühl des kleinen Jungen aber, das hat mich sehr beeindruckt. Die meisten (auch Kinder) gehen doch recht blind durch die Welt."

Ingeborg Lauwaßer




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